WEG: Silberfischchen sind kein Sachmangel

 

Wer eine gebrauchte Wohnung kauft, kann später nicht wegen eines Befalls mit Silberfischchen vom Kauf zurücktreten. Ein gewisser „Grundbestand an Silberfischchen“ sei normal, urteilt ein Gericht.

 

Da hilft auch putzen nicht immer: In Altbauwohnungen finden Silberfischchen viele Verstecke.

 

Der Käufer einer gebrauchten Eigentumswohnung kann nicht erwarten, dass diese Wohnung völlig frei von Silberfischchen ist. Bei einer zu Wohnzwecken bestimmten Immobilie sei das Vorhandensein eines „Grundbestands von Silberfischchen“ nicht ungewöhnlich, urteilte das Oberlandesgericht Hamm nach Angaben eines Sprechers.

 

Im vorliegenden Fall hatte die Klägerin eine gebrauchte Eigentumswohnung für 117.000 Euro gekauft. Wenige Wochen nach Übergabe der Wohnung stellte die Käuferin nach eigener Darstellung den Befall der Wohnung mit Silberfischchen fest.

 

In der Folgezeit hätten diese sich in der ganzen Wohnung ausgebreitet und sich trotz intensiver Bekämpfung auch durch Kammerjäger nicht beseitigen lassen, machte die Frau geltend. Bereits beim Vertragsschluss und bei der Wohnungsübergabe habe ein massiver Befall vorgelegen, behauptete die Klägerin und erklärte deshalb den Rücktritt vom Kaufvertrag.

 

Ihre auf Rückabwicklung des Kaufs gerichtete Klage blieb jedoch erfolglos: Der 22. Zivilsenat des Oberlandesgerichts Hamm sah in den Silberfischchen keinen Sachmangel. Das Vorhandensein von Insekten in einer Wohnung begründe erst dann einen Mangel, wenn sich die Wohnung deswegen nicht mehr zum Wohnen eigne oder eine für Wohnungen unübliche Beschaffenheit aufweise, mit der ein Käufer nicht rechnen müsse.

 

Dies sei jedoch bei der gebrauchten Eigentumswohnung nicht der Fall gewesen. Der Erwerber einer gebrauchten, im vorliegenden Fall rund 19 Jahre alten Eigentumswohnung könne nicht erwarten, dass die Wohnung völlig frei von Silberfischchen sei. Nach den eingeholten Sachverständigengutachten sei vielmehr „ein gewisser Grundbestand von Silberfischchen“ in genutzten Wohnungen weder unüblich noch sei „die Abwesenheit dieser Tiere generell zu erwarten“.

 

Az. 22 U 64/16

 


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